Dieser Willkommensgruß klingt schon alles andere als einladend, wird man doch an einem Ort willkommen geheißen, der laut Altem Testament, wegen der Sünden seiner Einwohner gemeinsam mit der Stadt Gomorrha durch Gottes Zorn vernichtet wurde.

Doch wo liegt Sodom heute? So bezeichnen die Menschen im westafrikanischen Ghana die etwa 16 km2 große Mülldeponie Agbogbloshie – ein ehemaliges Vogelschutzgebiet in der Nähe der Hauptstadt Accra. Dort wird jeden Tag tonnenweise Elektro- und Elektronikschrott aus Europa und Amerika abgeladen und dann von den dort ca. 6000 lebenden und arbeitenden Menschen weiterverwertet.

Gleich nach den Weihnachtsferien, am 7. Jänner 2019, konnten sich alle Schüler/-innen bei einem für unsere Schule organisierten Kinobesuch im Stadtkino Hallein ein eigenes Bild von den Zuständen machen, die auf dieser riesigen Mülldeponie herrschen. Der prämierte Dokumentarfilm Welcome to Sodom zeigt anhand von fünf Einzelschicksalen sehr eindrucksvoll, wie die Menschen auf der Deponie ihr Leben bestreiten.

Alle fünf sind Teil der gut organisierten Recyclingkette in Agbogbloshie und haben doch ganz unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Da ist das Mädchen, das sich als Junge ausgibt, und den Boden mit einem Magneten nach Metallteilen durchsucht. Da gibt es einen selbstbewussten Computerschrotthändler, der alte Computer auf ihre Funktionalität überprüft und dann weiterverwertet. Da ist der Plastikmüllsammler, der eigentlich Arzt in Gambia war, aber aufgrund seiner Homosexualität gefoltert und verfolgt wurde. Außerdem wird ein Burner gezeigt, der Kupfer durch das Verbrennen von Plastikkabeln gewinnt und sich dabei täglich toxischen Dämpfen aussetzt. Und schließlich gibt es eine Wasserverkäuferin, die die Burner mit kühlem Wasser versorgt. Sie ist erst 40 Jahre alt und sagt, dass sie aufgrund der giftigen Umgebung wahrscheinlich nicht mehr lange leben wird.

Trotz all dieser scheinbaren Hoffnungslosigkeit bekommt man aber keineswegs das Gefühl, dass diese Menschen unglücklich wären. Ganz im Gegenteil: Sie haben das vermeintliche Chaos organisiert und bestreiten ihren Alltag so gut es geht. Es wird auch gefeiert, gesungen und getanzt – all das inmitten der giftigen Rauchschwaden und begleitet von dem ständigen Hämmern der Metallzerkleinerer.

Der Film lässt einen nachdenklich zurück und wirft viele Fragen auf. Was passiert mit meinem Smartphone nachdem ich es entsorgt habe? Warum entsorgen Europa und Amerika ihren Elektroschrott in Afrika? Welche Konsequenzen hätte die eigentlich notwendige Schließung von Agbogbloshie?

 

Mag. Julia Karl